Mai4
Lieber Jasper!
Heute bist Du ein Jahr alt geworden! Wir freuen uns sehr, dass Du zu uns gehören darfst! Du bist so ein lieber Junge, meistens zufrieden, kannst seit ein paar Tagen laufen, versuchst Dich verbal mitzuteilen (verstehen tut man aber gar nix) und verstehst unsere Sprache sehr gut. Das merkt man an Deinen Reaktionen.
Deine Schwester Annika schreit (leider) sehr viel. Wenn das der Fall ist, dann stimmst Du mit ein und schreist auch…
Du liebst Deinen Schnuller, Tiere und Sandkästen….
Vor einem Jahr begann also dieses schöne Leben. Ich kann mich noch sehr genau an diesen Tag erinnern. Das haben Mamas so an sich: am ersten Geburtstag denkt man noch gerne an die Geburtsereignisse zurück.
Morgens, bevor Dein Papa Emilia in den Kindergarten gebracht hat, begann ich staubzusaugen. Ich hatte zwar schon etwas Bauchweh, aber da du ja schon seit Tagen da sein solltest und einfach nicht wolltest, ignorierte ich dieses Anzeichen. Im Wohnzimmer saugte ich wie wild und wollte eigentlich noch die Lampe absaugen, aber das war mir dann doch zu anstrengend und ich gab auf. Die Lampe wurde bis heute nicht abgesaugt:-) Ein Gang zur Toilette verriet mir, dass Schleim abgegangen war. Die Hebamme kam vorbei und meinte, dass der Muttermund 3cm offen sei und du heute auf jeden Fall noch kommen würdest. Ich solle alles in die Wege leiten (damit meinte sie deine Schwestern ausser Haus versorgen und die Wohnung empfangsbereit machen). Dann ging sie aber wieder. Also rief ich deinen Papa an, der gerade mal eine Stunde auf der Arbeit war. Inder Zwischenzeit packte ich Schlafsachen für die Mädels, falls du länger brauchen solltest. Tobias kam, holte Annika ab, fuhr zum Kindergarten und holte dort Emilia ab. Dann brachte er sie zu Therese, unserer Ersatzoma.
Inder Zwischenzeit kochte ich Wasser ab, bezog die Betten und das Sofa und legte alte Tücher im Wohnzimmer aus. Ein paar Leuten reif ich in den Wehenpausen an, um zu sagen, dass Du dich auf den Weg gemacht hast und sie an uns denken sollen.
Mittlerweile hatte ich richtige Wehen und stellte mir immer wieder vor, wie es wäre, dich ohne deinen Papa zur Welt bringen zu müssen. Aber es war noch alles im Grünen Bereich. Er kam gegen Mittag und wir bestellten uns eine Pizza. Bis die da war, war ich allerdings nicht mehr fähig zu essen. Wir waren uns unsicher, wann wir die Hebamme holen sollten. Um 14.30Uhr kam sie zur Tür herein, zog sich gleich alte Klamotten an und rief ihre Kollegin. Ausserdem musste sie noch kurz ein paar Termine absagen, aber dann war sie ganz für uns da. Die zweite Hebamme war gefühlte zehn Minuten später bei uns.
Wir waren im Wohnzimmer und es war ein schöner, warmer Nachmittag. Nachdem die Hebamme die Fruchtblase gesprengt hatte konnte ich pressen und bald warst du da. Es war ein Kraftakt. Ich habe bei keiner Geburt soooo geschwitzt und ich hatte mehr Schmerzen, als bei der zweiten Geburt.
Du hattest nicht so richtig Lust zu atmen, deshalb holte die Hebamme das Sauerstoffgerät aus dem Auto. Aber das ging dann auch. Ebenso das Trinken. Man hast du dich angestellt. War gar nicht so einfach mit dir…
Dein Kindspech hast Du gleich mal bei mir auf dem Bauch gelassen (aber nicht alles – es dauerte etwa noch zwei Tage bis alles draussen war!! Das war soo viel!) Die Hebamme konnte dich also nicht auf meinem Bauch anziehen.
Tja, kleiner Schatz, so war deine Ankunft! Nachdem die Hebammen gegangen waren, tranken Mama und Papa einen Sekt und gegen 20.00 Uhr kamen Deine Schwestern: Die wollten die gute Mamamilch gleich mal kosten und fanden Dich ganz süß!
Der heutige Tag war eher ruhig. Wir feierten beim Frühstück und ein bisschen in der Krabbelgruppe, aber Gäste hatten wir keine. Papa ist krank. Schade. Das holen wir am Wochenende nach!